Hybrides Arbeiten hat die Nutzung des Büros verändert, wie es niemand geplant hat. Vor Ort sind weniger Menschen, also scheinbar mehr Platz. Gleichzeitig ist jede zweite Besprechung heute ein Videocall — und der braucht etwas, das eine offene Arbeitsfläche nicht bietet.
Warum ein Videocall anders ist als ein Telefonat
Ein Telefonat lässt sich fast flüsternd führen. Im Videocall sprechen Sie lauter, weil das Mikrofon weiter weg ist und mehrere Personen zuhören. Dazu reagieren Sie, lachen, fragen nach — all das erreicht die Kolleginnen und Kollegen.
In die Gegenrichtung dasselbe Problem: Bürolärm landet in Ihrem Mikrofon. Rauschunterdrückung hilft, schneidet aber auch die Ränder Ihrer eigenen Stimme ab.
Der Besprechungsraum ist keine Lösung
Der erste Reflex ist, einen Raum zu buchen. In der Praxis heisst das: ein Raum für acht Personen ist eine halbe Stunde lang von einer Person belegt. Bei zehn solchen Calls am Tag ist die gesamte Besprechungskapazität durch Einzelgespräche blockiert.
Das zweite Problem ist das Buchen selbst: Videocalls entstehen oft zehn Minuten vorher. Dafür bucht man keinen Raum.
Der arbeitsschutzrechtliche Nebeneffekt
Hybrides Arbeiten hat die Lärmsituation im Grossraum nicht entschärft, sondern verschärft: Weniger Anwesende, aber ein deutlich höherer Anteil sprechender Anwesender. Das ist genau die Konstellation, die den Beurteilungspegel treibt, den die ASR A3.7 für Tätigkeiten mit andauernd hoher Konzentration oder hoher Sprachverständlichkeit auf höchstens 55 dB(A) begrenzt.
Für die Gefährdungsbeurteilung folgt daraus eine unbequeme Konsequenz: Eine Fläche, die vor der Umstellung unauffällig war, muss nach der Umstellung neu bewertet werden. Wer Videocalls in die Fläche verlegt, ohne ihnen einen Ort zu geben, verlagert den Lärm auf alle anderen — und die Rangfolge der Massnahmen nach ASR A3.7 verlangt, ihn an der Quelle zu mindern, nicht die Belegschaft mit Kopfhörern auszustatten.
Was wirklich funktioniert
Eine Einzelkabine deckt die meisten Fälle ab: hinein, Tür zu, Gespräch geführt. Da nichts gebucht werden muss, passt sie auch zu spontanen Calls.
Für Gespräche zu zweit eignet sich eine Zweierkabine. Für Teamcalls, bei denen ein Teil im Raum und ein Teil auf dem Bildschirm ist, die Viererkabine Quartet.
Was Facility Management und IT vorher fragen
Zwei Abteilungen müssen zustimmen, und sie fragen Unterschiedliches. Das Facility Management interessiert die Bodenbelastung — je nach Grösse liegt das Gewicht zwischen 230 und 600 kg, was bei Doppelböden und über Tiefgaragen relevant wird — sowie die Aufbauzeit, die mit 2–5 Stunden ohne Bauarbeiten auskommt. Die IT fragt nach Steckdose und Datenanschluss im Inneren und danach, ob Lüftung und Beleuchtung auf einem Stromkreis liegen.
Technische Zeichnungen und Gewichtsangaben veröffentlicht der Hersteller der Kabinen.
Licht zählt so viel wie Ton
Ein Detail, das leicht vergessen wird: Die Kamera braucht gleichmässiges Licht. Deckenbeleuchtung wirft Schatten ins Gesicht, ein Fenster im Rücken macht Sie zur Silhouette. In den Kabinen sorgt LED-Licht mit 3500–4500 K für gleichmässige, blendfreie Ausleuchtung.
Wie viele nötig sind
Ein praktischer Ausgangspunkt: eine je 10–15 Arbeitsplätze. Arbeiten viele Menschen im Vertrieb oder Support, wird das Verhältnis enger — bis zu einer je fünf Personen.