Die erste Frage zu einer Kabine betrifft nicht den Schall. Sie betrifft die Luft: Wird es darin nicht stickig? Die Frage ist berechtigt — in einem geschlossenen Raum mit einer Person steigt das Kohlendioxid schnell.
CO₂ in ppm: die Skala, an der gemessen wird
Kohlendioxid ist der übliche Stellvertreter für Luftqualität in Innenräumen, weil es leicht zu messen ist und mit der Belegung linear steigt. Die Skala, an der sich der deutschsprachige Arbeitsschutz orientiert, ist gut belegt:
Rund 400 ppm — frische Aussenluft, der Ausgangswert. Unter 1000 ppm — der Bereich, den die Pettenkofer-Zahl seit dem 19. Jahrhundert als hygienisch unbedenklich beschreibt und den die Technische Regel ASR A3.6 «Lüftung» als Zielwert für Arbeitsräume heranzieht. 1000 bis 2000 ppm — nach ASR A3.6 auffällig; hier ist die Lüftung zu verbessern, und hier setzen messbare Einbussen bei Konzentration und Entscheidungsverhalten ein. Über 2000 ppm — hygienisch inakzeptabel, weitergehende Massnahmen sind erforderlich. Der schwere Kopf nach einer langen Sitzung ist keine Ermüdung durch Informationen, sondern durch die Luft.
Ein voller Besprechungsraum überschreitet 1500 ppm binnen einer Stunde. In einer kleinen Kabine ist das Luftvolumen deutlich geringer — ohne Lüftung stiege der Wert dort entsprechend schneller. Genau deshalb ist Lüftung hier kein Extra, sondern Grundbestandteil.
Wie schnell die Luft wirklich wechselt
In der Einzelkabine arbeitet die Lüftung mit 300 m³/h, die Luft wird alle 2–3 Minuten erneuert. In Zweier- und Viererkabinen sind es 550–600 m³/h, die Luft wechselt alle 6–8 Minuten: mehr Volumen, mehr Personen, gleiches Ergebnis.
Gestartet wird über einen Belegungssensor — nichts einzuschalten, nichts zu merken. Das ist mehr als Bequemlichkeit: Eine Lüftung, die von Hand eingeschaltet werden muss, läuft erfahrungsgemäss einen grossen Teil der Zeit nicht. Man geht für zwei Minuten hinein, fasst keinen Schalter an — und hält die Kabine anschliessend für stickig.
Zwei Arten von Lüftung
Am einfachsten ist ein Ventilator, der Luft hineinbläst. Die Luft entweicht, wo sie kann, meist durch den Türspalt. Das Ergebnis ist ungleichmässig und oft hörbar.
Zu- und Abluft bedeutet zwei getrennte Kanäle: frische Luft durch den einen, verbrauchte durch den anderen. Der Austausch ist kontrolliert und gleichmässig — und nur so lässt sich der CO₂-Wert auch bei längerer Belegung unter der 1000-ppm-Marke halten.
Der Ventilator darf nicht hörbar sein
Hier steckt ein Widerspruch, der technisch gelöst werden muss. Starke Lüftung bedeutet Luftstrom, Luftstrom bedeutet Geräusch — und gekauft wurde die Kabine wegen der Ruhe. Die Lösung sind Schalldämpfer in den Kanälen: Sie lassen Luft durch und halten Schall auf.
Ein praktischer Test vor dem Kauf: hineinsetzen, Tür schliessen, hinhören. Ist der Ventilator deutlich zu hören, hört ihn im Videocall auch Ihr Gegenüber.
Winter und Sommer: die zwei Beschwerden
Zwei Punkte kommen im Betrieb regelmässig auf, und beide hängen an der Lüftungsleistung. Im Winter wird Zugluft bemängelt, wenn kalte Zuluft direkt auf Kopfhöhe geführt wird. Im Sommer ist es die Wärme: Ein Mensch, ein Notebook und die Beleuchtung geben Abwärme in ein kleines Volumen ab, und ein hoher Luftwechsel führt sie ab, während ein schwacher sie sammelt.
Fragen Sie deshalb nicht nur nach der Zahl auf dem Datenblatt, sondern nach der Führung der Zuluft. Das entscheidet darüber, ob die Kabine ganzjährig genutzt wird.
Was Sie den Anbieter fragen sollten
Drei konkrete Fragen: Wie hoch ist die Leistung in m³/h, wie oft wird die Luft erneuert, und startet die Lüftung automatisch. «Da ist ein Ventilator drin» ist keine Antwort. Siehe die technischen Daten von Duet als Beispiel, für die Viererklasse die Quartet. Vollständige Datenblätter veröffentlicht der Hersteller der Serie.